Critical Mass Köln am 26.01.2018

Es ist nun meine zweite Teilnahme an einer sogenannten Critical Mass Tour. Kennengelernt habe ich diese interessante Variante einer gemeinsamen Fahrradtour in einer größeren Gruppe erstmals in Düsseldorf. Das hat mich sehr von der Idee her sehr begeistert und überzeugt. Gerne wollte ich nun mal bei der Critical Mass Köln mitfahren. Und ich muss mich an dieser Stelle leider mal zu einem Vergleich der beiden Städte hinreißen lassen: Köln scheint wesentlich mehr Interessierte für eine Critical Mass Tour zu ziehen. Auf deren Homepage habe ich gelesen, dass zu Spitzenzeiten auch schonmal über 1000 Fahrräder dabei waren. Das ist schon eine beachtliche Zahl!

Was ist eine Critical Mass Tour?

Kurz erläutere ich was es damit auf sich hat. Critical Mass hat sich zu einer weltweiten Bewegung entwickelt. Und zwar finden sich ohne einen offiziellen Organisator und Verantwortlichen, eine Menge X an Fahrradfahrern zusammen. In Köln ist das immer am letzten Freitag im  Monat am Rudolfplatz ab 17.30 Uhr. Laut § 27 StVO heißt es, dass eine Gruppe von mindestens 16 Radfahrern  einen Verband bilden, der in einer geschlossenen Form eine Spur im Straßenverkehr für sich beanspruchen kann, vergleichbar mit einem Fahrzeug. Wichtig ist der Zusammenhalt des Verbandes, er muss in sich geschlossen sein, darf nicht zerreißen. Denn der erste der über eine Ampel fährt, zieht die restlichen hinter sich her, auch wenn die Ampel in der Zwischenzeit auf Rot schaltet. Vielen ist dieser Paragraph der Straßenverkehrsordnung überhaupt nicht geläufig. Daher kommt es nicht selten zu irritierten bis hin zu leider ziemlich gereizten Reaktionen der motorisierten Verkehrsteilnehmer. Ähnliches gilt aber auch für Fußgänger, die dann natürlich ebenfalls an der Ampel warten müssen,bis der Fahrradverband vorbei gezogen ist. Eine weitere spezielle Regel der Critical Mass ist, dass es keine vorgegebene Tour gibt. Derjenige der vorne fährt, gibt den Weg vor. Die Tour organisiert sich also sehr spontan und immer unterschiedlich.

Wie sieht das praktisch aus? In Köln so:

Ich wollte ja über mein eigenes Erlebnis schreiben und das tue ich an dieser Stelle richtig gerne, denn ich bin nämlich richtig begeistert von der Sache. Ich habe auch den Eindruck, dass auch die anderen Teilnehmer der Critical Mass Köln diese Begeisterung teilen. Da ich nicht aus Köln komme, bin ich über den Hauptbahnhof angereist. Ich habe mich mit Navigation zum Rudolfplatz lotsen lassen. Aber schon auf der Fahrt dorthin sind mir einige Fahrradpolizisten aufgefallen, die denselben Weg einschlugen. Ich konnte mich also im Prinzip hinten dran hängen und einfach mitziehen lassen.

Später habe ich im Gespräch mit einem netten Herren erfahren, dass die Uniformierten bei jeder Critical Mass Köln mitfahren. Das kannte ich so von Düsseldorf nicht. Ich habe mir erklären lassen, dass die Teilnahme der Polizei nicht unbedingt von allen so gerne gesehen wird und durchaus auch polarisiert. Ich kann mir vorstellen, dass dies vielleicht von manchen als Eingriff oder Einschränkung betrachtet wird. Auf der anderen Seite wurde mir berichtet, dass die Polizei sich wohl bisher immer sehr zurückgehalten hat. Zu Gerstengetränken und Handys am Ohr während er Fahrt wird wohl nichts gesagt. Das muss natürlich ein jeder für sich selbst entscheiden, wie er das damit handhaben möchte. Ich kann von meiner Erfahrung jedenfalls nichts Negatives berichten. Ich sehe es eher als eine freiwillige Serviceleistung der Stadt Köln, die solch eine Aktion unterstütz und damit auch das Fahrradfahren in Köln. Die Polizei hat sich nicht davor gescheut an Kreuzungen mit anderen Teilnehmern zusammen Abbiegespuren zu versperren, damit nicht doch mal ein Auto in den Verband hereinbricht. Das hat sehr gut funktioniert.

Critical Mass Köln Critical Mass Köln

Am Rudolfplatz haben sich also um 17.30 Uhr nach und nach mehr Leute eingefunden und ich würde schätzen, dass zu Beginn etwa 300 Teilnehmer dabei waren. Das ist für einen Wintermonat nicht schlecht finde ich.  Das Volk ist durchaus sehr gemischt. Es kamen Einzelpersonen, einige kannten sich offensichtlich aber auch schon. Ich habe auch die eine oder andere Familie gesehen, die mitgefahren ist. Ich habe sehr schöne alte Fahrräder gesehen, die sehr schön hergerichtet waren. Mehrere Lastenräder waren dabei, Rennräder, Mountainbikes, ein Liegerad habe ich auch gesehen. Manche waren auch noch mit LED-Lichern geschmückt oder waren mit einer Soundanlage ausgestattet. Das hat für gute Unterhaltung während der Fahrt gesorgt.

Critical Mass Köln Critical Mass Köln Critical Mass Köln

Besonders gut hat mir eine Aktion gefallen. Ich meine es war auf der inneren Kanalstraße, aber ihr könnt mich gerne korrigieren. Da kommt plötzlich von hinten Vollgas auf dem Fahrradweg eine Rikschafahrerin mit Dreadlocks angedüst, bis zum Anschlag den Song „He´s a Pirate“  von Pirates of the Caribbean aufgedreht. Und dabei noch dieses triumphale Grinsen im Gesicht bei erhobener Siegeshand. Jedenfalls hat sich das so bei mir eingebrannt. Vielleicht hat dies meine Phantasie im Nachhinein noch etwas ausgeschmückt. Ich musste einfach verdammt nochmal an Captain Jack Sparrow denken. Das war eine tolle Darbietung und hat meine Lachmuskeln auf jeden Fall in Bewegung gebracht – Vielen Dank dafür werte Rischkafahrerin mit den Dreadlocks!

Auf der Inneren Kanalstraße sind wir mit dem Fahrradverband dann noch tatsächlich in einen Stau hineingeraten und mussten dann dort noch ein Stück mitfließen. Aber da wir ja eh nur mit meist nur etwas über 10 km/h unterwegs waren, haben wir da keine Zeit verloren. Und dafür blieb Zeit mal kurz stehen zu bleiben, um ein paar Fotos zu schießen.

Critical Mass Köln

Es war echt spannend wohin es so überall hinging. Ich kenne mich in Köln nicht sonderlich gut aus, aber nun habe ich dank der Critical Mass Tour die Innenstadt etwas besser kennenlernen dürfen. Der Vorteil am Radfahren ist einfach, dass man sich aufgrund der geringeren Geschwindigkeit auch besser orientieren lernt. Eine Überraschung war für mich die Fahrt an den großen Kölner Bordells vorbei, dessen Hochhäuser schon von weitem in neonpinker Beleuchtung auffallen – sehr interessant.

Das Finale der Critical Mass Köln

Am Ende der Critical Mass Tour hatte ich 26,7 Kilometer laut Komoot auf dem Tacho, bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 10,8 km/h in insgesamt 2 Stunden und 37 Minuten. Meine Finger waren trotz Handschuhe ziemlich kalt gefroren. Meine dünnen Turnschuhe haben meine Füße auch nicht optimal vor der Kälte geschützt. Ich war also dann auch nicht so traurig, dass wir dann am Ziel angekommen waren zu der späten Stunde. Zum krönenden Abschluss dann haben noch einige der übrig Gebliebenen, viele hatten sich schon vorher nach und nach abgesetzt, ihre Fahrräder triumphierend über ihre Häupter gehoben. Und da haben dann sogar auch ein paar Polizisten mitgemacht, das war ein sehr schöner Abschluss.

Critical Mass Köln KomootCritical Mass Köln

Vielen Dank an alle für die Fahrt! Gerne werde ich wiederkommen und dann sicherlich auch noch ein paar Leute mitbringen.

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